Früher hätte ich mir nicht vorstellen können, zuhause ein Wohnzimmerkonzert zu veranstalten. Heute weiß ich, so geht es ganz einfach:

Warum solltest du ein Wohnzimmerkonzert veranstalten?

Eine wundervolle Art, einen kalten Winterabend zu verbringen: Du musst nicht rausgehen, sondern kannst in deinem kuschelig warmen, gemütlichen Wohnzimmer bleiben. Deine besten Freunde sind gekommen, um mit dir ein paar schöne Stunden zu teilen. Zusammen lauscht ihr angenehmer Musik, die euch zum Träumen verführt. Und die Musik kommt nicht aus der Konserve, sie wird live gespielt und gesungen von Musikern, deren Ausstrahlung auf der Bühne direkt euer Herz erreicht. Willkommen bei deinem ersten eigenen Wohnzimmerkonzert.

Was wird für ein Wohnzimmerkonzert benötigt?

Naja, zum einen brauchst du ein Wohnzimmer, zum anderen einen oder mehrere Musiker. Schon kann es theoretisch losgehen.

Wahrscheinlich wirst du bei deinem Wohnzimmerkonzert auch noch Publikum dabei haben wollen. Nicht nur, weil das Teilen von Musikgenuss den Spass daran noch erhöht.

Auch die Musiker werden wahrscheinlich von der Stimmung profitieren und noch mehr Herzblut ins Konzert stecken, wenn sie nicht exklusiv für dich alleine spielen. (Außer natürlich du bist beispielsweise Millionär und zahlst ein mehr als sattes Honorar für den Exklusiv-Auftritt bei dir zuhause.)

Wieviele Gäste soll ich für ein Wohnzimmerkonzert einladen?

Der wichtigste Faktor für die Maximalgröße des Publikums sind die Ausmaße deines Wohnzimmers. Im Idealfall sollte jeder Gast ein gemütliches Plätzchen finden können, um aufmerksam der Musik zu lauschen. Du brauchst nicht für alle eine Sitzgelegenheit in Form eines Stuhls, Sessels oder Sofas.

Bei Wohnzimmerkonzerten entsteht oft eine besonders gemütliche Atmosphäre dadurch, dass die Gäste zum Teil auf dem Boden sitzen. Sorge nur dafür, dass es genügend Kissen gibt.

Vorsicht bei der Einladung zum Wohnzimmerkonzert

Auch wenn du dich auf eine “volle Bude” und ein lebendiges Event freust: Lade nicht wahllos die halbe Welt ein. Du hast schon von sogenannten “Facebook-Partys” gehört, die erheblich aus dem Ruder gelaufen sind? Verliere nie den Überblick, welche Kreise deine Einladung ziehen könnte.

Mein Tipp: Verbreite deine private Wohnzimmerkonzert-Einladung niemals öffentlich. (Falls du allerdings regelmäßig Wohnzimmerkonzerte mit wechselndem Publikum im “halbprofessionellen” Stil veranstalten willst, findest du hier ein paar Tipps).

Lade einfach so viele Leute persönlich ein, wie in deinem Wohnzimmer Platz finden. Nicht alle werden kommen, der eine oder andere wird dafür einen Freund oder eine Freundin mitbringen. So sollte es am Ende ganz gut passen. Wenn es dann doch einige Menschen mehr sind als erwartet, heißt es einfach “Zusammenrücken”. Das trägt eher noch zur Gemütlichkeit bei deinem Wohnzimmerkonzert bei.

Hannah Sikasa und Jules auf der "Wohnzimmerkonzert-Bühne"

Großartiger Livegenuss: Wohnzimmerkonzert mit Hanna Sikasa und Jules (die auch mit Jazz En Vogue als Hochzeitsband spielt)

Woher bekomme ich Musiker für ein Wohnzimmerkonzert?

Der am besten geeignete Weg: Sprich einfach Bands oder Sänger an, die dir zum Beispiel bei einem Club-Konzert schon einmal sehr gut gefallen haben und die du gerne im intimeren Rahmen eines Wohnzimmerkonzerts hören möchtest. Du wirst dich wundern, wieviele Musiker gerne zu einem Wohnzimmerkonzert bereit sind.

Denn einerseits wissen sie, dass du schon für das Publikum sorgen wirst und andererseits ist es für sie nicht nur eine weitere Auftrittsmöglichkeit, bei der sie ihrer musikalischen Leidenschaft nachgehen können. Die Musiker können (und sollten) auch mit etwas Verdienst rechnen. Dazu gleich mehr.

Wenn du keine Band in deinem Ort kennst, die dir für ein Wohnzimmerkonzert zusagt, dann kannst du auch im Internet gezielt danach suchen. Es gibt eine Webseite, die Musiker für Wohnzimmerkonzerte vermittelt: Sofaconcerts.org. Da kannst du sicher sein, dass die Bands sich auf genau solche Auftritte freuen.

Im Voraus solltest du mit den Musikern klären, dass du für Getränke und Verpflegung sorgst (besondere Wünsche abfragen!). Bei meinem ersten Wohnzimmerkonzert haben wir die beiden Musikerinnen einfach vorher zum Essen im Restaurant gegenüber eingeladen.

Wieviel Geld bekommen die Musiker?

Natürlich kannst du mit den Musikern frei vereinbaren, was der Auftritt kosten soll. Zu einem runden Geburtstag oder ähnlichem kannst du dir und deinen Gästen diese Ausgabe einfach mal gönnen.

Hut für Gage bei Wohnzimmerkonzert

Equipment für Hutgage

Ansonsten hat sich die so genannte „Hutgage“ bewährt, also eine freiwillige Spende deiner Gäste: Du lässt gegen Ende des Konzerts einfach einen Hut durch das Publikum kreisen, in den jeder Gast so viel hinein gibt, wie ihm das Konzert jetzt gerade wert war. Je besser das Konzert, desto freigiebiger sind die Gäste. Das spornt die Musiker zusätzlich an.

Wichtig bei der Hutgage: Kündige deinen Gästen zu Beginn des Konzerts an, dass der Hut durchs Publikum kreisen wird.

Mache dabei deutlich, dass das Geld nicht für dich ist, sondern dass es um Wertschätzung für den Auftritt der Musiker geht und sie (je nach Vereinbarung) ansonsten kein Honorar für den Auftritt bekommen. Diese Werbung bist du ihnen schuldig.

(Und wenn du keinen Hut hast, kannst du zur Not auch einen Korb, Beutel oder eine Schüssel verwenden.)

Was du in der Regel nicht machen solltest: Einen festen Eintrittspreis für das Konzert verlangen. Denn dann verliert dein Wohnzimmerkonzert schnell den Charakter einer privaten Veranstaltung.

Das hätte zur Folge, dass sich womöglich die Ordnungsbehörden dafür interessieren. Doch du willst für ein privates Wohnzimmerkonzert ja wohl weder ein Gewerbe anmelden noch Sicherheitsvorschriften wie bei professionellen Konzertveranstaltungen beachten müssen (Notausgang!) oder dich mit GEMA-Anmeldung und -Gebühren auseinandersetzen.

Was ist mit den Nachbarn?

Ich empfehle dir, deine unmittelbaren Nachbarn in jedem Fall vorab über deine Planung eines Wohnzimmerkonzerts zu informieren. Und zwar nicht erst am Tag des Konzerts selbst, sondern bereits eine Woche vorher.

Das ermöglicht es dir, noch zu reagieren, im unwahrscheinlichen Fall, dass sich jemand quer stellen will. (Im Notfall hilft da manchmal ein Geschenk wie eine Kinokarte für den entsprechenden Abend.) Von solchen Problemen solltest du aber nicht ausgehen.

Im Gegenteil: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Nachbarn sehr aufgeschlossen sind für so eine kleine Privatveranstaltung, die du ihnen natürlich als selbstlose Kulturförderung ankündigst.

Versichere deinen Nachbarn unbedingt, dass spätestens um 22 Uhr musikalische Ruhe einkehren wird (und halte dich auch daran, fange lieber etwas früher an).

Am Besten lädst du die Nachbarn sogar selbst zu dem Wohnzimmerkonzert ein. Sie werden das als große Wertschätzung ihrer Befindlichkeiten empfinden. Und wenn sie nicht sowieso gut mit dir befreundet sind, werden sie sowieso nicht auftauchen, so meine Erfahrung.

Falls doch ein Nachbar überraschend zu deinem Wohnzimmerkonzert dazu stößt: Freue dich über den zusätzlichen Gast und darüber, dass er dich in Zukunft als unglaublich angenehmen Kulturfreund wahrnehmen und schätzen wird. (Du wirst sehen: Ab sofort wird er mit großer Freude alle deine Post-Pakete annehmen, wenn du nicht zuhause bist.)

Wie läuft der Wohnzimmerkonzert-Abend ab?

Ankunft der Musiker

Ideal ist es, wenn die Musiker schon vor den Gästen eintreffen und in Ruhe Instrumente und anderes Equipment aufbauen und ausprobieren können. Falls das nicht möglich ist, reserviere rechtzeitig den “Bühnenbereich” deines Wohnzimmers, so dass du ihn nicht erst beim Eintreffen der Musiker frei räumen und Gäste umplatzieren musst.

Ob die Musiker in Sachen Equipment von dir Unterstützung brauchen, das sollten sie dir rechtzeitig gesagt haben (Frage danach!). Bei meinem ersten Wohnzimmerkonzert hatte es sich zufälligerweise ergeben, dass ich ein E-Piano zur Verfügung stellen konnte. So mussten die Musikerinnen weniger transportieren. In der Regel bringen Musiker alles mit, was sie brauchen.

Gäste versorgen

Natürlich solltest du deinen Gästen etwas zu trinken anbieten. Ob du sie dafür einen Selbstkostenpreis bezahlen lässt oder deine Gäste einlädst, hängt natürlich von deinem Budget und der Anzahl der Gäste ab.

Wenn du nicht gerade in einer WG lebst, in der ihr das Party machen sowieso gewöhnt seid, hat sich folgendes Verfahren bewährt: Beauftrage zwei oder drei deiner Gäste mit dem Getränkeservice. Am besten improvisierst du eine kleine Theke in der Nähe des Kühlschranks.

Im Idealfall legst du auch noch eine ausgedruckte Liste mit dem Getränkeangebot aus. So können sich die Gäste schnell orientieren und von den “Getränkebeauftragten” versorgen lassen, ohne dass jeder einzelne in deinen Kühlschrank blicken muss.

Wichtig: Stelle schon vor dem Konzert klar, dass es Getränke nur vor und nach dem Konzert (und gegebenenfalls in einer Pause) geben wird. So sorgst du dafür, dass sich die Gäste ganz auf die Musik konzentrieren, während die Musiker auf deiner “Wohnzimmer-Bühne” stehen. Auch das trägt zur Wohlfühlatmosphäre, sowohl für die Gäste als auch die Musiker.

Jeweils mit Wurst, Fisch oder Ei belegte Baguettescheiben

Kleine Häppchen, großer Genuss.

Eine Kleinigkeit zu Essen im Angebot zu haben, ist auch kein Fehler. Um dir größeren Geschirr-Aufwand zu ersparen, empfehle ich kleine Platten mit belegten Baguettescheiben oder Brötchenhäften.

Diese Platten kannst du dir günstig von einer Catering-Firma liefern lassen. Meist bietet auch ein Restaurant oder die Metzgerei in deiner Nähe entsprechende Platten an, die du vorbestellen und am Tag des Wohnzimmerkonzerts abholen kannst.

Solltest du unbedingt Wert auf eine gediegenere Ausstattung mit entsprechendem Geschirr Wert legen, lies meine Erfahrungen zum Thema Geschirrverleih.

Wohnzimmerkonzert genießen

Ansonsten gilt vor allem eins: Sei entspannt! Mache nicht den Fehler, den perfekten Gastgeber spielen zu wollen, der sich um jeden einzelnen Gast kümmert, als wäre er der einzige.

Beherzige den Tipp von oben und verteile Aufgaben an deine Gäste. Sie werden bereitwillig helfen und sich freuen, zum Erfolg deiner kleinen Privatveranstaltung beitragen zu dürfen.

Vertraue darauf, dass deine Gäste schon selbst dafür sorgen können, sich wohl zu fühlen. Schließlich hast du ihnen mit deinem Wohnzimmerkonzert bereits einen wunderbaren Gesprächsanlass geboten.

Und wenn sich nicht alle deine Gäste bereits kennen, können sie sich gleich mal darüber austauschen, wie sie denn zu der Ehre der Einladung zu deinem Wohnzimmerkonzert gekommen sind.

Je entspannter du bist, desto entspannter sind auch deine Gäste. Das überträgt sich. Und dann steht einem entspannten Erlebnis solcher Konzerte nichts mehr im Weg.

Mein erstes Wohnzimmerkonzert

Den Gedanken, mal selbst ein Wohnzimmerkonzert zu veranstalten, hatte ich lange Zeit mit mir herum getragen. Am Ende ergab sich das dann einfach im Gespräch mit einem weiteren Musikfreund.

Er hatte einen guten Draht zu zwei Musikerinnen, die wir beide sehr schätzen. Und somit war es nur noch eine Frage des passenden Termins, bis wir einen außergewöhnlich angenehmen Abend genießen konnten.

Alle Gäste waren gut gelaunt und durch die heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre entstand eine ganz besondere Beziehung zwischen Musikerinnen und Publikum – eine ganz besondere Stimmung.

Stell’ dir vor, du wärst ein Kind, du sitzt mit deinem Großvater oder deiner Großmutter am Kaminfeuer und bekommst eine zauberhafte Märchengeschichte vorgelesen. So ähnlich fühlt sich für mich ein Wohnzimmerkonzert an: Du tauchst ab in eine Welt voller Poesie und herzerwärmender Musik. Am Ende erlebst du ein begeistertes Publikum, zufriedene Musiker und fühlst dich selbst noch ein wenig glücklicher.

Und jetzt schau’ gerne in deinem Kalender nach, wo Platz wäre für dein erstes eigenes Wohnzimmerkonzert.

Was schätzt du am meisten an Wohnzimmerkonzerten? Und was würdest du dir als Musiker für einen gelungenen Abend wünschen?

Kommentieren:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.