Das Steuerrecht ist kompliziert. Doch die richtige Steuer-Software macht es sogar Anfängern leicht, die Steuererklärung zu erstellen. Das kann am Ende viele hundert Euro mehr für dich bringen.

Willst du Geld verschenken?

Falls du Arbeitnehmer mit einem sogenannten „Standardfall“ bist (normale Lohnsteuer ohne irgendwelche eingetragenen Freibeträge o. ä.), denkst du vielleicht: Zum Glück muss ich keine Einkommensteuererklärung abgeben! Wer mag sich schon durch Zahlen, Vorschriften und Belege wühlen.

Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass du dadurch Geld verschenkst. Mehrere hundert Millionen Euro kann das Finanzamt aufgrund der „Faulheit“ vieler Bürger einfach für sich behalten. Immerhin: Das Geld geht an den Staat, in dem du lebst, also ist es zumindest in der Theorie für einen guten Zweck.

Andererseits ist das ungefähr so, als würde dir dein Chef jeden Monat 100 EUR zu wenig überweisen und als wäre dir das aber egal, weil es dir zu aufwändig ist, deine Abrechnung zu überprüfen.

Steuer-Software hilft auf dem Weg durch den Paragraphen-Dschungel

Viele andere müssen eine Steuererklärung abgeben, ob als Angestellte oder Selbstständige (oder auch ein Mix von beidem) – und tun sich dennoch regelmäßig mit der Einkommensteuererklärung schwer.

Die Steuererklärung formal richtig hinzubekommen ist dabei das Eine. Das Andere ist es, auch auf Steuersparmöglichkeiten hingewiesen zu werden, die du selbst vielleicht übersehen würdest.

Diesen Job können natürlich Steuerberater erledigen. Sie kosten allerdings vergleichsweise viel Geld. Das lohnt sich wohl eher bei komplizierten Steuerfällen, die allein kaum mehr zu bewältigen sind. Für das große Feld der nicht ganz so schwierigen, aber eben doch manchmal kniffligen Fälle gibt es inzwischen einen breiten Markt an Steuer-Software.

Steuertipps, die bares Geld einbringen

Steuer-Software zeichnet sich im Normalfall dadurch aus, dass sie den Steuerzahler quasi an die Hand nimmt. Stück für Stück fragt das Programm nach deinen persönlichen Verhältnissen und klopft so auch noch weitere Sparmöglichkeiten ab.

Da wird dann zum Beispiel auch daran erinnert, dass Handwerkerrechnungen für Arbeiten zuhause unter Umständen von der Steuer abgesetzt werden können. (Und das auch oft, wenn sie in der Nebenkostenabrechnung deines Vermieters stehen!)

Allein wegen solcher Punkte, an die du vielleicht von alleine gar nicht gedacht hättest, ist eine Steuer-Software meist ihr Geld (und den Aufwand der Steuererklärung) wert.

Ausgaben für die Steuer übers Jahr erfassen

Bequem ist es auch, wenn du dich mal für eine Steuer-Software entschieden hast und über mehrere Jahre bei dem Anbieter bleibst (natürlich immer mit der jährlich neuen Version der Steuer-Software): Dann kannst du meist schon während des Jahres deine steuermindernden Ausgaben erfassen und hast somit nach dem Jahreswechsel viel weniger Arbeit auf einmal.

Meist geht es nur noch darum, auf einzelne Belege des Vorjahres zu warten, bevor die Steuererklärung per Knopfdruck online ans Finanzamt geschickt werden kann. Nur noch ein kleiner Papierbogen, der unterschrieben und per Post verschickt werden muss, schon ist die Steuererklärung fertig und du kannst freudig gestimmt dem Einkommenssteuer-Bescheid entgegensehen, der im Idealfall genau die Steuererstattung enthält, die sie Steuer-Software bereits ausgerechnet hat.

Steuer-Software liefert Überzeugungshilfen

Selbst wenn das Finanzamt mal anderer Ansicht ist und von deiner Steuererklärung abweicht, bietet dir die Steuersoftware noch Unterstützung, zum Beispiel mit vorformulierten Briefen für einen Einspruch. Dem wird dann auch oft stattgegeben, denn oftmals lag der Fehler nicht in deinen Angaben, sondern im Zeitdruck und der schnellen Bearbeitung durch das Finanzamt.

Welche Steuer-Software ist die Beste?

Die verschiedenen Steuer-Software-Angebote unterscheiden sich zum einen nach den Zielgruppen (Arbeitnehmer/Freiberufler/Gewerbetreibende/Vermieter/Lehrer etc.), zum anderen auch ein wenig in ihrer Arbeitsweise. Ich habe mir in den vergangenen Jahren die führenden Anbieter, die auch von der Stiftung Warentest in ihren Tests am besten bewertet wurden, angesehen. Teilweise habe ich sie parallel für einen Vergleich benutzt.

Das war kein Problem, denn meist ist es entweder kostenlos möglich, die Software auszuprobieren. Oder es gibt eine Geld-zurück-Garantie. Die Steuer-Software, mit der ich dann am besten zurecht kam (und die meinen persönlichen Steuerfall am besten bearbeiten konnte), habe ich dann genommen. Wobei sich für mich persönlich zwei Sieger herausstellten:

Eine Zeit lang hatte ich das WISO-Steuersparbuch von Buhl Data verwendet. Doch dann wurde eine aus meiner Sicht intransparente Abonnement-Politik mit Registrierungszwang eingeführt. Hinzu kam, dass ich gegen meinen ausdrücklichen Willen mit unerbetener Werbung konfrontiert wurde. Deshalb habe ich von diesem Anbieter Abschied genommen.

Den Wechsel habe ich nicht bereut, im Gegenteil. Seit mehreren Jahren nutze ich nun die Steuer-Spar-Erklärung von Wolters Kluwer/ Akademische Arbeitsgemeinschaft. Damit bin ich bis heute sehr zufrieden. Auch die Version 2017 wird mich wieder bei meiner Steuererklärung begleiten.

Welche Software für dich die richtige ist, hängt also einerseits von deiner persönlichen Steuersituation ab. Andererseits sind die Menüführung und die Aufmachung einer Steuer-Software immer auch Geschmackssache.

Ansonsten gibt es nicht nur die Stiftung Warentest, die Steuer-Software getestet hat. Sehr hilfreich ist der ausführliche Überblick über verschiedene Tests und Empfehlungen, die Finanztipp auf dieser Seite zusammengestellt hat. Dort sind auch Tipps zu Online-Portalen, die es zur Anfertigung der Steuererklärung gibt. Wie ich finde, ein sehr hilfreicher Vergleich.

Im Zweifelsfall würde ich heute wieder mehrere verschiedene Anbieter ausprobieren.

Noch zwei Spartipps zum Umgang mit Steuer-Software

Zeit schinden und Geld sparen

Der erste Tipp betrifft Arbeitnehmer. Zunächst diejenigen, die ihre Steuererklärung freiwillig abgeben: Sie haben vier Jahre Zeit dafür. Da lohnt es sich, einfach abzuwarten und dann die gewünschte Steuer-Software zum Beispiel bei eBay günstig gebraucht zu kaufen. Andere, die ihre Steuererklärung schon früher abgeben müssen, sind oft froh, wenn sie für die Steuersoftware noch den einen oder anderen Euro bekommen. Und du sparst gleich mal Geld. Da sich so ein Programm ja nicht abnutzt, gibt es auch keinen Qualitätsverlust.

Selbst wenn du zu den Fällen zählst, die ihre Einkommensteuer-Erklärung normalerweise bis zum 31. Mai des Folgejahres abgeben müssen, kannst du davon profitieren. Es gibt eine elegante Möglichkeit, diese Frist ganz einfach bis in den Herbst zu verlängern:

Abgabetermin verschieben

Schreibe in der letzten Maiwoche dem Finanzamt einfach einen Brief oder ein Fax und bitte um eine Verlängerung der Frist bis September. Gründe dafür können sein: Akut besonders hohe Arbeitsauslastung, Verzögerungen aufgrund von Krankheit, zu wenig Zeit wegen einer Renovierung oder was auch immer. Nach meiner Erfahrung sind die Finanzbeamten da recht aufgeschlossen.

Wichtig dabei ist, dass du folgendes in den Antrag schreibst: „Wenn ich nichts von Ihnen höre, gehe ich davon aus, dass sie den Antrag genehmigt haben.“ Auf diese Art und Weise machst du es dem Finanzbeamten besonders leicht, dir deinen Wunsch zu erfüllen. Er muss dein Schreiben nämlich nur abheften und die Sache ist erledigt.

Wahrscheinlich wird er dir für diese Arbeitserleichterung auch noch aus einem anderen Grund dankbar sein. Denn Ende Mai trudeln bei ihm sowieso so viele Steuererklärungen ein, dass er erstmal eine Weile beschäftigt ist. Da kann deine Einkommensteuer-Erklärung ruhig erst im Herbst kommen.

Bei mir war das Finanzamt zum Glück bisher jedesmal so entgegenkommend. Bedenke jedoch: Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf.

Für Unternehmer: Konsolidierte Umsatzsteuer auch mit billiger Version

Der zweite Spartipp betrifft Selbstständige mit umsatzsteuerpflichtigen Einkünften aus mehreren Einkunftsarten: Ich hatte für mich lange überlegt, ob ich die normale Version der Steuersparerklärung oder die teurere Selbstständigen-Version nehmen soll. Vor allem, weil bei der „normalen“ Version keine konsolidierte Umsatzsteuererklärung enthalten ist.

Ich habe jedoch festgestellt, dass auch die Standardversion der Steuer-Software das mit geringem Mehraufwand leisten kann: Um eine konsolidierte Umsatzsteuererklärung mehrerer Einkunftsarten zu erstellen, musst du nur einen fiktiven, „weiteren“ Betrieb anlegen. In diesem addierst du die Umsatzsteuerangaben der einzelnen Einkunftsarten einfach.

Diese Summe kannst du dann bei der Umsatzsteuervoranmeldung übertragen und hast den gleichen Effekt wie bei einer von einer teureren Steuer-Software konsolidierten Umsatzsteuererklärung.

Schneller Bescheid wissen, wieviel Geld zurück es gibt

Sehr nützlich ist die elektronische Rückübermittlung des Steuerbescheids über das eingebaute ELSTER-Modul der Steuer-Software. Schon bevor die Papierform des Bescheids im Briefkasten liegt, kannst du damit das Ergebnis der Steuerbearbeitung deines Finanzamtes abrufen.

Deine Steuer-Software zeigt dir dann übersichtlich und ganz genau, in welchen Punkten das Finanzamt gegebenenfalls von deiner Erklärung abgewichen ist. Wie gesagt: Formulierungshilfen für einen Einspruch im Falle eines Falles gibt’s zumeist auch gleich dazu. Und auch dazu noch ein Tipp:

Wenn das Finanzamt nur etwas versehentlich nicht berücksichtigt hat oder du schlicht vergessen hattest, die Belege dafür einzureichen, dann genügt statt eines Einspruchs ein formloser „Antrag auf schlichte Änderung“.

Der Unterschied: Beim Einspruch wird der komplette Steuerfall noch einmal bearbeitet (im Zweifel auch zu deinen Ungunsten an Stellen, an denen du das gar nicht willst). Beim Antrag auf schlichte Änderung werden nur die Punkte überprüft, die du ausdrücklich angesprochen hast. Wenn du also davon ausgehen kannst, dass sich das Finanzamt nur vertan hat, ist letzteres oft die bessere Wahl.

Fazit

Bequemlings-Wertung Steuer-Softwre
8.2 von 10
Relativer Zeitgewinn8.5
Bequemlichkeit und Genuss6.5
Preis-Leistungs-Verhältnis9.5

Mit Preisen zwischen 20 EUR (abgespeckte Versionen für ganz einfache Arbeitnehmerfälle) und 35 EUR (für Standardversionen) macht sich Steuer-Software in den meisten Fällen wirklich bezahlt. Allein die Hinweise auf nicht genutzte Steuerspar-Möglichkeiten können sich richtig lohnen.

Wie machst du dir die Arbeit in Sachen Steuern leichter?

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