Spracherkennung macht dich zum schnellen, kreativen Texter. Nutze die Vorteile einer Diktiersoftware, ohne in die Fallen zu tappen.

Wie hat Spracherkennung früher funktioniert? “Frau Sekretärin, bitte zum Diktat.” So klassisch-altmodisch wünsche ich mir manchmal das Erstellen von Artikeln.

Denn leider gehöre ich nicht zu denjenigen, die im Zehn-Finger-System fließend ihre Texte tippen, während sie nicht ein einziges Mal den Blick vom Bildschirm nehmen, geschweige denn auf ihre Finger schauen müssen.

Bei mir dauert das Tippen regelmäßig deutlich länger als das Sprechen. Deswegen habe ich immer das Gefühl, dass mich mein Viereinhalb-Finger-System beim Schreiben ziemlich ausbremst, da es auch ständig von Kontrollblicken auf die Tastatur vor allzu üblen Vertippern bewahrt werden muss.

Damit, das “blinde” Tippen zu erlernen, konnte ich mich aufgrund des Übungsaufwands nie anfreunden. Irgendwie musste es doch möglich sein, den Prozess der Textenstehung anders zu beschleunigen.

Sprechen oder Tippen – wofür ist der Mensch gemacht?

Ist es eigentlich schlimm, lieber zu sprechen als zu tippen? Schauen wir uns doch mal an, wie der Mensch seit tausenden von Jahren kommuniziert:

Sowohl heute als auch in der Steinzeit gab es wohl kaum jemanden, der seinen Mitmenschen besonders viel mitgeteilt hat, indem er auf dessen Arm herumtippte. Vielleicht hat er es versucht. Doch viel mehr als ein „Achtung!“ dürfte der andere nie verstanden haben, wenn er angetippt wurde, oder?

Stattdessen verständigten sich unsere Urahnen wohl zunächst mit (Grunz-)Lauten, die später immer weiter zu dem verfeinert wurden, was wir heute Sprache nennen. Beim Sprechen formen wir unsere Gedanken in Sätze, damit sie von anderen Menschen verstanden werden.

Dass wir seit ein paar Jahrzehnten fleißig tippen, hat nur damit zu tun, dass Maschinen bislang nicht fähig waren, unsere Sprache zu verstehen. Vor allem unsere komplexe Art des Sprechens. Es ist quasi ein Konstruktionsfehler von Computern, den es langsam aber sicher durch Fortschritt zu beseitigen gilt.

Spracherkennung auf dem Vormarsch

Als eine Art „Übergangslösung“ haben sich Sekretariatsdienste im Internet entwickelt, denen du einfach deinen gesprochenen Text als Audiofile schicken kannst, damit sie ihn abtippen. Das hat allerdings zwei Nachteile:

Erstens braucht es Zeit bis deine Sprachdatei umgesetzt und an dich zurückgeschickt wird. Zweitens kostet es jedesmal Geld – und zwar umso mehr, je länger deine Texte sind.

Doch da gibt es da ja noch Spracherkennung für den Computer. Was ist damit?

Mit Schrecken denke ich an frühere Erfahrungen mit Spracherkennungs-Software zurück. An vernünftiges Arbeiten war dabei nicht zu denken. Die Zeit, die du für das Korrigieren der falsch verstandenen Texte brauchtest, überstieg die Dauer für das selbst Tippen eines Textes um ein Vielfaches. Auch bei mir.

Doch inzwischen hat die Spracherkennungs-Industrie ja deutliche Fortschritte gemacht. Das lässt sich nicht nur daran feststellen, dass Google bei seinem Betriebssystem Android viele Möglichkeiten der Bedienung per Sprache mitliefert.

Auch Apple demonstriert mit Siri ja schon länger, dass da inzwischen deutlich mehr möglich ist. Aber ganze Texte? Mit möglichst wenig Fehlern?

Finde den für dich besten Umgang mit Spracherkennung am PC

Ich wollte es genau wissen und habe mir deswegen vor einiger Zeit die Diktiersoftware Dragon Naturally Speaking gekauft, in der Version 12.5. Zu Beginn musste ich erst einmal einige vorgegebene Texte diktieren, damit die Software meine Aussprache besser kennen lernt. Kurz danach habe ich meine ersten Diktierversuche mit der Spracherkennung gewagt.

Es ist schon faszinierend, wenn du Sätze aussprichst, die dann mit etwas Verzögerung tatsächlich auf dem Bildschirm erscheinen.

Allerdings sind da auch immer wieder Fehler dabei, weil die Spracherkennung ein Wort gar nicht kennt oder einfach nicht richtig verstanden hat. Das ist in etwa so wie mit der Autokorrektur beim SMS-Schreiben: Manchmal nützlich, manchmal absurd.

Deswegen habe ich mich auch dabei erwischt, während des Diktierens von Texten ständig in einen Redigier-Modus zu verfallen. Ich war in die klassische Spracherkennungs-Falle getappt: Sobald ich gesehen habe, dass die Software einen Satz falsch verstanden hat, wollte ich diesen korrigieren.

Das stört allerdings den Kreativitätsfluss. Und genau das gilt als ein Haupthindernis für das schnelle Entstehen eines Textes.

Schau der Diktiersoftware beim Texten nicht auf die Finger

Der Rat an professionelle Schreiber (und solche, die es werden wollen) lautet oft: Schreibe die erste Version deines Textes in einem Stück herunter, ohne dich um Formatierungen oder Detail-Formulierungen zu kümmern.

Der reine Schaffensprozess ist erst einmal entscheidend. Redigieren kommt später.

Deshalb habe ich mir eine andere Variante für die Spracherkennung überlegt: Die Diktiersoftware Dragon Naturally Speaking kann auch Audio-Files verarbeiten, also Diktat-Aufnahmen.

Das war die Lösung: Ich spreche seither meine Texte zunächst am Stück ein (nachdem ich zuvor mit dem Programm Mindmeister eine Mindmap mit der Struktur erstellt habe) und erst danach bekommt sie die Spracherkennungs-Software, um die Aufnahme in schriftlichen Text umzusetzen. Dieser Entwurf steht dann direkt in meinem Textverarbeitungsprogramm zur Verfügung.

Dazu nutze ich ganz einfach mein Smartphone, das meine Gedanken jederzeit und an jedem Ort willig aufzeichnet.

Die App “Smart Voice Recorder” erledigt diesen Job bestens. Die Audiodatei lade ich anschließend einfach auf den Rechner und schon kann sich die Spracherkennung von Dragon Naturally Speaking an die Umsetzung in schriftlichen Text machen.

Stück für Stück entsteht der Text komplett auf meinem Bildschirm. Nach etwa einer halben Minute (abhängig von der Länge der Aufnahme) ist die Umsetzung vollendet.

Spracherkennung immer und überall nutzen

Praktischer Nebeneffekt: So kannst du im Alltag auch Notizen ganz einfach aufnehmen und von Dragon Naturally Speaking per Spracherkennung in Text umwandeln lassen. Beim Autofahren diktiere ich beispielsweise nebenher Briefe und E-Mails.

Ich finde es faszinierend, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe, viele Texte für die Spracherkennung zu diktieren. Das geht soweit, dass ich auch meine SMS-Nachrichten unterwegs lieber schnell diktiere und versende, als sie über die Smartphone-Tastatur umständlich einzugeben.

Um dabei möglichst gute Ergebnisse ohne großen Korrekturauwand zu erreichen, habe ich mir auch dafür das entsprechende Produkt von Dragon bzw. der Herstellerfirma Nuance gekauft.

Es ist die Tastatur-App “Swype Keyboard”, die sich per Klick von Buchstaben-Eingabe auf Spracherkennung umschalten lässt. Für eine schnelle SMS unterwegs ist das großartig. Zudem lassen sich die von der Desktop-Software bekannten Steuerbefehle (wie z. B. “neue Zeile”) zum Teil auch auf dem Smartphone nutzen.

Eine andere Einsatzmöglichkeit für die Spracherkennung mit Hilfe einer Aufnahme nutze ich beim Diktieren von Texten während ich auf dem Crosstrainer trainiere. Da Bewegung sowieso den Gedankengang fördert, lässt sich die Trainingszeit damit optimal nutzen.

Durch die Sprachaufnahme sind dann also der Entstehungsprozess der ersten Version eines Textes und das erste Überarbeiten strikt voneinander getrennt. Das bringt große Vorteile: So hast du viel schneller eine Rohversion, die dir das gute Gefühl gibt, schon einiges Material auf dem „Papier“ stehen zu haben.

Danach kannst du dich dann umso besser aufs Überarbeiten des Textes konzentrieren. Formatiert werden muss der Text nach der Spracherkennung sowieso noch (z. B. Setzen von Überschriften), da kannst du dann auch gleichzeitig an deinen Formulierungen feilen.

Was nicht so optimal läuft

Was bei der Spracherkennung generell noch besser sein könnte, ist der Wortschatz der Diktiersoftware. Insbesondere bei „denglischen“ Begriffen greift Dragon Naturally Speaking in der deutschen Spracheinstellung öfter mal daneben.

Bei der “Live”-Umsetzung eines Diktats per Spracherkennung hätte ich zwar die Möglichkeit, einzelne Wörter noch einmal zu trainieren, wenn sie von der Software zunächst nicht verstanden wurden. Das geht mit aufgezeichneten Texten nicht.

Allerdings wäre ich dafür sowieso zu ungeduldig. Und bis jetzt bin ich mit dem Niveau der Spracherkennung auch so im Wesentlichen zufrieden.

Wenn die Spracherkennung von Dragon Naturally Speaking einen Begriff falsch versteht, dann versteht sie ihn zumindest immer wieder auf die gleiche Art und Weise falsch. Das bedeutet: Im gesamten Text steht das falsche Wort immer wieder in der gleichen Version. Das lässt sich dann ganz einfach mit der “Suchen und Ersetzen”-Funktion eines Textverarbeitungsprogramms bereinigen.

Fazit

Bequemlings-Wertung Spracherkennung
8.7 von 10
Relativer Zeitgewinn9.5
Bequemlichkeit und Genuss8
Preis-Leistungs-Verhältnis8.5

Der Einsatz einer Spracherkennung hat aus meiner Sicht mehrere Hauptvorteile: Zum einen ist es für den Kreativitätsprozess förderlich, einfach mal zwischen Tippen und Diktieren zu wechseln.

Während des Diktierens kann ich auch wunderbar sinnlos in der Gegend herumlaufen (ja, auch in der Wohnung). Das empfinde ich als ziemlich fruchtbar für den Textentstehungsprozess. (Siehe Artikel bei Bild der Wissenschaft: „Kreativer durch Bewegung“)

Außerdem konnte ich mit der Spracherkennung die Texterstellung straffen. Die durch das Diktat entstehende Erstversion wird in einem Rutsch erstellt und ist damit deutlich schneller fertig als ein von mir getippter Text.

Insgesamt hat der Einsatz der Spracherkennung meinen Schreibprozess also deutlich schneller und bequemer macht.

Trotzdem gebe ich zu: So ganz uncharmant finde ich den Gedanken nicht, dass ich eines Tages doch noch in die Situation kommen könnte, in der ich rufe: “Frau Sekretärin, bitte zum Diktat!”

Bis dahin freue ich mich erst mal auf Dragon Naturally Speaking Premium 15. Nachdem gerade die Variante „Dragon Professional Individual 15“ erschienen ist, gibt es wie bei den vergangenen Versionen vermutlich auch bald eine etwas abgespeckte (und günstigere) Premium-Version.

Vielleicht läuft es dann ja noch runder mit der Spracherkennung.

Mit welchen Tricks kommst du beim Texten leichter vom Denken ins Schreiben?

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