Wenn du schneller ans Ziel kommen willst, musst du manchmal einen Umweg gehen. Lese, wie du mehr erledigen kannst, indem du einen Mittagsschlaf einlegst.

Wie verläuft deine Leistungsfähigkeit im Laufe eines Tages? Spätestens ab Mittag dürfte sie wie bei den meisten Menschen absinken. Der Elan lässt im Laufe des Tages einfach nach. Noch schlimmer, wenn du in der Nacht zuvor zu wenig Schlaf bekommen hast.

Besonders extrem und den meisten bekannt ist das Leistungstief unmittelbar nach dem Mittagessen, auch Suppen-Koma genannt. Der Körper möchte sich auf die Verdauung konzentrieren und lässt das Gehirn bei der Versorgung erstmal links liegen. Wer jetzt einfach weiter macht, wird tendenziell lustlos, unkonzentriert und quälend langsam arbeiten.

Das Gegenmittel heißt Mittagsschlaf

Als so genanntes „Power-Napping“ (englisch:“nap“, deutsch :“Nickerchen“) hat der Mittagsschlaf in den letzten Jahren eine kleine Renaissance erlebt. Vom Geheimtipp zur häufig weiter verbreiteten Empfehlung für einen produktiven Tag. Trotzdem hakt es bei vielen noch mit der Umsetzung, wegen ganz bestimmter Bedenken.

Auf die Rahmenbedingungen kommt es an

Katze macht Mittagsschlaf auf Cabrio-Stoffdach

Mittagsschlaf-Profi – © Grubärin / Fotolia.com

Mittagsschlaf – wie lange?

Eine der größten Sorgen in Sachen Mittagsschlaf lautet: “Ich fühle mich danach total zerschlagen“. Das passiert aber nur wenn dein Mittagsschlaf zu lange dauert. Ca. 20 Minuten, maximal 30 Minuten dürfen es sein, bevor du in eine Tiefschlafphase abgleitest. Die stellt dann quasi deinen ganzen Körper auf „Außer Betrieb“.

Aber das wollen wir ja gar nicht. Wir wollen die erfrischende Wirkung des Wegschlummerns nutzen. Und das passiert vor der Tiefschlafphase. Für mich hat sich für den Mittagsschlaf ein Zeitraum von 25 Minuten als ideal erwiesen (inklusive der Einschlafphase).

Zuverlässiges Wecken

Befürchtung Nummer zwei: Ich werde nicht rechtzeitig wieder wach. Weit verbreitet ist dazu der Tipp, sich einen Schlüsselbund in die Hand zu nehmen während des Einschlafens. Zu dem Zeitpunkt zu dem der Körper völlig entspannt, soll der Schlüssel dann aus der Hand auf den Boden fallen und klimpernd den Mittagsschlaf beenden.

Ehrlich gesagt halte ich von dieser Lösung wenig. Denn zum einen gibt es im Büro oft Teppichboden, der den Aufprall ziemlich dämpft. Aber noch viel wichtiger: Ich kann einfach nicht entspannen wenn ich gleichzeitig einen Schlüssel festhalten soll und damit rechne dass er mir doch irgendwann aus der Hand gleitet. Warum also nicht einfacher?

Ich stelle meinen Handy-Wecker einfach so ein, dass er nach 25 Minuten klingelt. Fertig. Das ist zuverlässig und verbindlich.

Schnell-Einschlafhilfen

Es gibt noch weitere Vorteile, wenn du dein Smartphone für den Mittagsschlaf nutzt: Zum einen denkst du automatisch daran, es auf lautlos zu schalten, um beim Mittagsschlaf nicht gestört zu werden. Zum anderen kannst du es zusammen mit deinen Kopfhörern oder Ohrstöpseln hervorragend als Einschlafhilfe nutzen.

Entweder lässt du dich von deiner Lieblingsmusik in den Schlaf begleiten oder kannst eine spezielle App nutzen. Als für mich ideal hat sich Relax Melodies erwiesen. Damit kannst du nicht nur verschiedene angenehme Klänge nach Lust und Laune mischen – von afrikanischen Buschtrommeln über Vogelgezwitscher bis zu einem Wasserfall und noch viel, viel mehr – dazu gibt es auch noch Entspannungsmelodien, die auf Wunsch nach ein paar Minuten immer leiser werden. Ein sanftes Abgleiten in den Mittagsschlaf klappt so hervorragend.

Perfekt wird das ganze noch, wenn du Noise-Cancelling-Kopfhörer verwendest. Die schirmen dich vor anderen störenden Geräuschen ab, indem sie mit Gegenschall Ruhe erzeugen (und haben auch noch viele andere Vorteile, helfen zum Beispiel auf Reisen gegen plappernde Bahn-Mitfahrer, im Flugzeug gegen das Turbinen-Brummen oder bei Schlaf nach Schichtdienst gegen Straßengeräusche. Dazu ein andermal mehr in einem Extra-Artikel). Da der Wecker deines Smartphones sich dann sowieso über die Kopfhörer meldet, bist du garantiert zum gewünschten Zeitpunkt wieder wach.

Der passende Ort für den Mittagsschlaf

Mann schläft in einem Park auf der Wiese

Mittagsschlaf im Park – © Gina Sanders / Fotolia.com

Natürlich wird es im Großraumbüro etwas schwierig, sich für einen Mittagsschlaf am eigenen Schreibtisch auszuklinken. Entweder hast du das Glück mit einem eigenen Büro und bequemem Stuhl und kannst einfach abschließen (Telefon umleiten oder leise stellen!). Oder du suchst dir einen anderen geeigneten Platz. Zum Beispiel das eigene Auto, oder vielleicht bietet deine Firma sogar einen Ruheraum an.

Ich habe jahrelang in einem großen Betrieb gearbeitet, ohne von dem Ruheraum zu wissen. Man muss manchmal nachfragen, gute Ansprechpartner dafür sind der Betriebsarzt oder – falls vorhanden – die Abteilung, die sich um Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter kümmert.

Falls die Umgebung sehr hell ist, kann eine Schlafmaske hilfreich sein. Meistens geht es aber auch ohne.

Sanitätsraum „zweckentfremden“

Falls es keinen extra Raum gibt: Ein Kollege ist auf die hervorragende Idee gekommen, den Sanitätsraum mit Liege, den es wohl ab einer bestimmten Firmengröße geben muss, für seinen Mittagsschlaf zu nutzen. Dieser Raum steht immer offen, damit er zum Beispiel von Schwangeren zum kurzen Hinlegen genutzt werden kann. Oder falls bei jemandem der Kreislauf zicken macht. Doch 99 Prozent der Zeit steht der Raum leer. Hier kannst du also ziemlich sicher sein, nicht gestört zu werden.

Regelmäßig oder spontan?

Manche Freunde des Mittagsschlafs empfehlen, ihn fest in den Tagesablauf einzuplanen. Ich selbst handhabe das anders. Nur wenn mir danach ist, ich also merke, dass meine Aufmerksamkeit nachlässt oder ich eben langsam müde werde, dann lege ich einen Mittagsschlaf ein. Das muss nicht jeden Tag sein. Möglicherweise hilft jedoch eine gewisse Regelmäßigkeit am Anfang dabei, sich daran zu gewöhnen, außerhalb des eigenen Betts zu schlummern.

Frisch versorgt von der Energietankstelle

Der Effekt eines Mittagsschlafs ist auf jeden Fall enorm: Wenn der Wecker nach 25 Minuten klingelt, bin ich frisch und ausgeruht, voller neuem Elan und Tatendrang. Die nächsten Stunden arbeite ich deutlich produktiver. Ich erledige deutlich mehr (und das besser) als wenn ich keinen Mittagsschlaf gehabt hätte. Somit spart der Mittagsschlaf effektiv Zeit!

Pimp my Mittagsschlaf

Kaffeemaschine bereitet Espresso zu

Kaffee + Mittagsschlaf = Pimped Power – Foto: picjumbo.com

Kombinieren lässt sich das Ganze noch mit dem Kaffee-Trick: Das Koffein des Kaffees hat die Eigenschaft, dass es erst nach ungefähr einer halben Stunde wirkt. Wenn du das mit einem Mittagsschlaf kombinierst, also unmittelbar vorher einen Kaffee trinkst, dann erlebst du zum Ende deines Mittagsschlafs einen wahren Energie-Booster!

Schlafforscher sagen: Außer der schnellen Zwischendurch-Erholung ist der Mittagsschlaf auch noch gesund! Um den Rahmen hier aber nicht zu sprengen verweise ich auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Nutze diese völlig natürliche und kostenlose Energiequelle: mache es dir bequem für einen Mittagsschlaf und erlebe die enorm belebende Wirkung. Probiere es aus! Und danach beschreibe in einem Kommentar hier deine Erfahrungen.

  1. Hi Steffen!

    Ah, das mit dem Kaffee hatte ich schon irgendwann einmal gelesen … Danke für’s Erinnern! Für mich geht Einschlafen übrigens sehr schnell, wenn ich „Atem zähle“. Also nicht Schäfchen, sondern: einatmen = 1, ausatmen = 2, etc. Meist bin ich bei 17 oder so schon weg 😉

    Liebe Grüße,
    Claudia

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