Du hast Lust auf die Welt der Videospiele, willst aber selbst nicht zum Zocker werden? Mit Let’s Plays und Livestreams liefern dir andere Computerspieler beste Unterhaltung.

Es war einmal: Videospiele im Übermaß

Eigentlich hatte ich Computerspiele komplett von meinem Rechner verbannt. Schon vor vielen Jahren, während meines Studiums. Damals hatte mein WG-Mitbewohner Ralf einen alten Commodore 64 von zuhause mitgebracht. Er hatte ihn irgendwo auf dem Dachboden ausgegraben.

Er wusste, dass ich Unmengen an C64-Computerspielen auf Disketten gehortet hatte. Die lagen seit vielen Jahren bei uns im Keller.

Die Folge? Drei Tage und Nächte lang haben wir die alten Spiele durchgezockt. Nur unterbrochen von einer gelegentlichen Runde Schlaf und dem Türklingeln des Pizza-Services. Selbst die Rollläden ließen wir tagsüber runter, damit nichts unsere Spielhöllen-Atmosphäre stören konnte.

Da wusste ich wieder, was mir eigentlich schon in meiner Jugendzeit klar geworden war – dass mich Computerspiele viel Zeit kosten würden, wenn ich sie ständig verfügbar hätte. Logische Konsequenz: Meine Arbeits-Rechner bleiben frei davon.

Andere spielen Spiele für dich!

Jahre später bin ich bei YouTube über mein erstes Let’s Play gestolpert. Das ist ein Video, bei dem ein Computerspieler seinen Bildschirm während des Spielens abfilmt und das Geschehen dabei ständig selbst kommentiert.

Es handelte sich damals um einen Omnibussimulator für München. Da fuhr doch tatsächlich jemand im virtuellen München mit einem originalgetreu nachgestellten MVG-Bus auf der Linie 100 durch die Stadt.

Haltestelle anfahren, Türen öffnen, Leute einsteigen lassen, Türen schließen, anfahren, an der Ampel warten, Durchsagen von der Leitstelle bekommen, Temperatur im Fahrgastraum regulieren, die nächste Haltestelle anfahren usw.

Klingt eigentlich total öde. Zumal, wenn du das Spiel selbst gar nicht spielst, sondern nur dabei zu zusiehst. Gleichzeitig wirkte das ganze auf mich allerdings unglaublich entspannend. (Es war Nacht – also ein idealer Zeitpunkt, um sich einfach mal berieseln zu lassen.)

Ich stellte fest, dass es ganz unterschiedliche Typen gab, die dieses Spiel spielten, um anschließend die Videos bei Youtube hochzuladen. Unter anderem einer, der sich ständig über den Verkehr im virtuellen München aufregte und auch die etwas seltsam agierenden virtuellen Buspassagiere nicht gerade mit Respekt behandelte.

Nicht zuletzt verzweifelte er an der seltsamen Gestaltung des Omnibus-Simulators, bei dem beispielsweise die roten Ampelphasen gefühlt eeeeeeeeewig andauerten. Sehr unterhaltsam.

Damit war mein Interesse an Let’s Plays geweckt. Ich habe festgestellt, dass die Auswahl schier unendlich ist. Es gibt ein ganzes Genre, indem nichts anderes gemacht wird, als kommentierte Videospiele in einzelne Folgen aufgeteilt auf YouTube hoch zu laden. Mal in mehr, mal in weniger unterhaltsamer Qualität.

Spiel, Spaß, Spannung und Unterhaltung

Zwangsläufig sind mir dann irgendwann die Videos des „Königs“ der Let’s Plays über den Weg gelaufen. Ich sage nur: “Minecraft”. Kenner wissen sofort Bescheid. Für alle anderen: Ein gewisser Gronkh hat mehr als 1.000 Folgen aufgezeichnet, in denen er in einer umfangreich gestaltbaren Spielwelt unterwegs ist.

Nebenher spricht er dabei über alle möglichen Themen: Die großen und kleinen Dinge des Alltags, aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Weil er das Ganze auch noch mit sehr viel Humor würzt, sind seine Videos eine herrlich entspannende Art der Unterhaltung. Mehr als drei Jahre hat Gronkh fast jeden Tag ein neues Minecraft-Video hochgeladen.

Inzwischen sind es unzählige Spiele, die von Gronkh auf diese Art und Weise vorgeführt wurden. Ein Traum für alle heimlichen oder verhinderten Zocker, die nur ab und zu den Spaß und die Freude an Computerspielen genießen wollen.

Der Vorteil: Du musst nichts kaufen, dich nicht stundenlang selbst in ein Computerspiel hineinfuchsen und üben bis du dir die nötigen Skills angeeignet hast, um das Spiel annähernd ausreizen zu können. Du bekommst das Erlebnis fertig geliefert, wie gesagt: Mit extrem unterhaltsamem Kommentar.

Vergleichen lässt sich das meiner Ansicht nach mit dem, was für viele den Spaß an Fußballübertragungen ausmacht: Du siehst Profis in Aktion, weißt nie was als nächstes passiert, kannst mitfiebern und bekommst durch den Kommentator Zusatzinfos, Anekdoten und lustige Sprüche nebenbei serviert.

Und wie bei der Fußballübertragung gilt: Du kannst emotional voll dabei sein, bequem zuhause auf dem Sofa. Im Gegensatz zum Fußball kommen bei den Let’Plays noch eine große Bandbreite an Spielen und deren Vielschichtigkeit dazu.

Extrem unterhaltsam sind auch Gronkhs „Let’s Test”-Folgen. In diesen spielt er teils völlig missratene Computerspiele und regt sich auf herrliche Art über deren Fehlfunktionen und Mängel auf. Beispiele: Der Paketdienst-Simulator oder auch der Fernbus-Simulator (ein Video, das bei YouTube inzwischen mehr als eine Million mal aufgerufen wurde).

Die Steigerung von Let’s Play-Videos: Livestreams bei Twitch.tv

Ja, auch Liveübertragungen von Computerspielern gibt es inzwischen zuhauf. Die Streaming-Plattform Twitch hat sich hier einen Namen gemacht. Eine große Community von Computerspiel-Interessierten schaut regelmäßig den Liveübertragungen der Let’s Player zu.

Allein wenn Gronkh seine regelmäßigen Live-Streams an einem Freitag Abend startet, versammeln sich um die 30.000 Menschen, die an ihren Computern, SmartTVs oder bequem per Beamer auf Großleinwand zusehen.

Damit nicht genug: Über einen Live-Chat können alle Zuschauer zu einer gemeinsamen Unterhaltung beitragen und dem Streamer Tipps, Fragen und eigene Kommentare zukommen lassen.

Wer es noch nicht gesehen hat: Unbedingt ausprobieren. Ich wage zu behaupten, dass viele Livestreams das normale Fernsehprogramm an Unterhaltungswert deutlich übertreffen.

Auch hier kommt es letztlich darauf an, die passenden Let’s Player für sich zu entdecken. Naturgemäß sind viele sehr junge Menschen als Streamer dort aktiv.

Deren teils sehr platter und lauter Stil ist sicher nicht jedermanns Sache, aber genau richtig für eine entsprechende Zielgruppe. Erfahrenere Streamer finden durchaus auch ein deutlich erwachseneres Publikum und wissen dieses zu unterhalten.

Auch die Bandbreite ist enorm groß: Vom klassischen Ballerspiel über Open World Games, Retro-Adventures und Strategie-Spielen bis zu Rollenspiel-Livesimulationen. Derzeit besonders beliebt: Arma 3.

Streamer Shlorox spielt ARma 3 auf Twitch.tv (Screenshot)

Streamer Shlorox spielt Arma 3 auf Twitch.tv (Screenshot)

Dutzende Spieler sind bei Arma 3 gleichzeitig in einer virtuellen Welt unterwegs, teils als Polizisten, teils als Zivilisten, Ärzte oder Banditen. Alle haben das Ziel, ein möglichst unterhaltsames Rollenspiel durchzuziehen, bei dem sich immer wieder neue, unvorhergesehene und teils absurd komische Situationen ergeben.

Manche Computerspieler können von ihren Livestreams leben

Auch hier schauen tausende zu. Faszinierend ist, wie die Streamer dabei auch noch Geld verdienen: Zum einen können Zuschauer den jeweiligen Kanal abonnieren (völlig freiwillig – sie müssen es nicht, um den Stream anzusehen). Das kostet dann knapp fünf Dollar pro Monat, etwa die Hälfte davon geht an den Streamer, der Rest an den Plattformbetreiber.

Teilweise haben die Streamer deutlich mehr als 2.000 solcher Abonnenten. Du kannst leicht selbst ausrechnen, was das an Einkommen bedeutet.

Doch damit nicht genug. Über so genannte Donations, also Spenden, können Zuschauer dem Streamer jederzeit Beträge ab einem Euro zukommen lassen. Das wird dann auch meist mit einer Einblendung gewürdigt, auf die die Streamer wiederum reagieren können.

Wenn du es nicht selbst gesehen hast, wirst du kaum glauben, wie viel Geld die Zuschauer einem guten Streamer freiwillig „hinwerfen” werfen. Das kann dann zwischendurch auch einfach mal eine 100-Euro-Spende sein. Getreu dem Prinzip: Für gute Unterhaltung sind die Menschen gerne bereit, Geld zu bezahlen.

Wie gesagt: Die Streams lassen sich völlig kostenlos ansehen. Viele „Fans” unterstützen aber die jeweiligen Unterhalter gerne und freimütig mit einer Spende, damit diese auch weiterhin ihre Live-Übertragungen stundenlang durchziehen können (ja, es gibt auch 24-Stunden-Streams, aber das ist ein anderes Thema).

Kein Wunder, dass manche Computerspieler ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

Fazit

Bequemlings-Wertung Let's Plays
8 von 10
Relativer Zeitgewinn5
Bequemlichkeit und Genuss9
Preis-Leistungs-Verhältnis10

Nie war es einfacher, sich verschiedenste Computerspiele auf sehr unterhaltsame Weise vorführen zu lassen. Wenn du selbst eine kleine, womöglich verschämte Zocker-Seele in dir trägst, kannst du sie hier ohne großen Aufwand glücklich werden lassen.

Und wenn’s dir gefällt: Lass dem Streamer gerne eine Spende da. Viel Spaß!

Wie ist dein Verhältnis zu Videospielen, früher und heute?

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