Immer mehr Leute steigen auf Carsharing um, oder besser: Steigen bei Carsharing ein. Für mich bedeutet Carsharing vor allem: Die Vorteile von Autos nutzen, ohne die Nachteile eines Auto-Eigentümers zu haben.

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Mobilität auf bequeme Art

Mobilität ist auch für einen Bequemling wichtig, am liebsten natürlich mit größtmöglichem Komfort. Leider hatte ich noch nicht das Glück, auf einer Flugreise in die Business- oder First-Class upgegradet zu werden. Doch bei Bahnreisen ab drei Stunden Dauer ist die erste Klasse meiner Meinung nach aus Wohlfühlgründen Pflicht.

Zumal das dank der Sparpreise der Bahn bei frühzeitiger Planung sehr günstig zu haben ist (ich sage nur: EUR 21,75 für Berlin – München! Ja, erste Klasse, mit Bahncard 25. Ohne Bahncard immer noch nur 29 Euro). Doch was ist mit Komfort und Bequemlichkeit in Sachen Auto fahren?

Autos sind unberechenbare Geld- und Zeitfresser

Ich fahre sehr häufig und sehr gerne mit dem Auto. Allerdings war ich noch nie Eigentümer eines PKW. Zu abschreckend sind für mich immer die Leidensgeschichten im Freundeskreis. Da wird ständig über schon wieder fällige Reparaturen gejammert, die die persönliche Finanzplanung der Betroffenen ganz schön durcheinander bringen. Und dann noch der Zeitaufwand für die Werkstatt-Fahrten…

Ob plötzlicher Steinschlag mit unschönen Folgen für die Windschutzscheibe, abgenutzte Scheibenwischer, regulärer Reifenwechsel oder das klassische „es klappert so verdächtig, ich muss das mal nachsehen lassen…“ – der Stress, den der Besitz eines Autos auslösen kann, ist bei solchen Gelegenheiten förmlich spürbar.

Ach ja, gar nicht zu reden von den finanziellen Dauerkosten. Die fallen regelmäßig an, ohne auch nur einen Kilometer zu fahren: Versicherungen, Kfz-Steuer, TÜV, etc.

Carsharing ist berechenbar und flexibel

Seit fast 20 Jahren nutze ich deshalb Carsharing. Mit klar kalkulierbaren Kosten, je nach Mietzeit und/oder gefahrener Strecke. Alles andere ist im Preis inklusive: Tanken, Versicherungen und teils sogar die Parkgebühren.

Das beste allerdings: Wenn das Auto zickt, dann ist das nicht mein Problem. (Bitte so lesen: Nicht. Mein. Problem!)

1.000 verschiedene Autos zur Verfügung

Umzug mit Carsharing-Transporter / Foto: Stadtmobil Hannover GmbH

Dazu kommt noch eine enorme Flexibilität, je nach Bedarf steht mir das passende Auto zur Verfügung: Zum Beispiel ein Kombi für einen Großeinkauf am Wochenende (allerdings: den erledigen inzwischen Supermarkt-Lieferdienste für mich), ein Transporter für den Umzug oder die neue Matratze, ein Mini für die schnelle Fahrt von zuhause zur Arbeit, ein Cabrio für den Urlaub. Ansonsten ist es meist eh egal, was für ein Fahrzeug es ist. Hauptsache es bringt mich von A nach B.

In München habe ich das Glück, viele verschiedene Carsharing-Anbieter und deren Konzepte nutzen und miteinander kombinieren zu können. Genau genommen kann ich so auf mehr als 1.000 Fahrzeuge zugreifen.

Je nach Zweck ist mal das so genannte Free-Floating-System nützlich, bei dem du ein Auto einfach am Straßenrand anmietest und irgendwo anders in der Stadt wieder abstellen kannst. Besonders nützlich ist das, wenn du zu einer Feier fährst und sowieso schon weißt, dass du Alkohol trinken wirst. Zurück geht’s dann eben entweder öffentlich oder mit Taxi. Um das abgestellte Auto musst du dich ja nicht kümmern.

Kind auf Esel oder Muli neben größerem Auto

Mit Carsharing im Urlaub / Foto: Stadtmobil CarSharing GmbH & Co. KG, Karlsruhe

Für länger dauernde Fahrten ist das stationsgebundene Carsharing finanziell meist attraktiver. Dabei muss das Fahrzeug wieder zum Ausgangspunkt zurückgebracht werden.

Am Anfang kostet es ein wenig Einarbeitung, sich mit den verschiedenen Tarifsystemen und deren Details vertraut zu machen. Doch dann entsteht aus den vielen kleinen Mobilitätsbausteinen ein herrlich praktisches Gesamtmosaik, das mir immer die passenden Möglichkeiten zum Autofahren zur Verfügung stellt.

Günstiger als eigenes Auto

Verglichen mit der Anschaffung und dem Unterhalt für ein eigenes Auto ist das dann auch noch preiswert. Gelegentliche Taxifahrten zwischendurch sind damit bereits locker finanziert.

Falls du in einer kleineren Stadt lebst, in der dir nur wenige Carsharing-Anbieter zur Verfügung stehen, können sie eventuell nur einen Teil deiner Bedürfnisse erfüllen. Der ADAC hat mal ausgerechnet, dass sich Carsharing im Vergleich zu einem eigenen Auto in der Regel lohnt, wenn du weniger als 10.000 km pro Jahr unterwegs bist.

Wichtigste Ausnahme: Wenn du darauf angewiesen bist mit einem Auto zur Arbeitsstelle zu fahren und das Auto dann dort stehen bleiben muss, damit du zum Feierabend sicher wieder zurückkommst. Dann kommst du um ein eigenes Fahrzeug wohl kaum herum. Immerhin kann Carsharing dann in einer Familie die Alternative zum Zweitwagen sein. Einen ausführlichen Vergleich der Kosten von eigenem Auto und Carsharing gibt es bei Finanztest.

Dank Versicherung beruhigt unterwegs

Besonders angenehm finde ich es auch, mir gar keine finanziellen Sorgen für den Fall von Beschädigungen an einem Carsharing-Auto machen zu müssen. Zwar haben alle Anbieter eine mehr oder weniger hohe Selbstbeteiligung vorgesehen, falls ich mal für einen Schaden verantwortlich sein sollte.

Doch genau dafür gibt es inzwischen so genannte Selbstbeteiligungs-Versicherungen. So kann ich dem Eventualfall sehr gelassen entgegen blicken. Das Produkt, das ich nutze wird über eine britische Internetseite angeboten. Er gibt zwar auch eine deutschsprachige Webseite, doch dort sind die Vertragsbedingungen im Detail anders.

Für mich relevant war dabei, dass über den britischen Anbieter auch teurere Mietwagen mitversichert sind, im Gegensatz zur deutschen Version. Hinter beiden steht übrigens der Allianz-Konzern als Versicherer. (Mein ausführlicher Artikel zur Selbstbeteiligungs-Versicherung.)dazu

Was mich am Carsharing auch noch freut

Ganz nebenbei macht es mir persönlich großen Spaß, ständig mit unterschiedlichen Fahrzeugen unterwegs zu sein. Vor allem BMW macht das mit seiner Carsharing-Tochter DriveNow ganz geschickt: in der Flotte befinden sich die unterschiedlichsten Fahrzeuge vom Mini über 1er- und 2er- BMW, Cabrios, X1 bis zum Elektrofahrzeug i3.

So lerne ich ganz nebenbei einen großen Teil der Produktpalette dieses Autobauers kennen und werde damit sehr vertraut. Clever! Ich gebe zu, sollte ich mir doch irgendwann einmal ein eigenes Auto kaufen wollen, dann hätte der Konzern deshalb einen gewissen Startvorteil bei meinen Überlegungen.

Elektroautos bei teilAuto Dresden / Foto: teilAuto - Mobility Center GmbH

Elektroautos bei teilAuto Dresden / Foto: teilAuto – Mobility Center GmbH

Letztlich erkennen immer mehr Autohersteller, dass es in Zukunft nicht mehr darum geht, in erster Linie Autos an Endkunden zu verkaufen. Was die Menschen vor allem in den Städten in Zukunft schätzen werden, sind Mobilitätsangebote, die Ihre Bedürfnisse passgenau befriedigen: Eben von A nach B zu kommen oder etwas von C nach D zu bringen, ohne sich Gedanken über Parkgebühren, Autopflege und ähnliches machen zu müssen.

Auch auf Seiten der Städte wird immer mehr erkannt, welche Vorteile Carsharing für sie bringt. Statt völlig zugeparkten Straßen weniger Autos, die dafür öfter unterwegs sind.

Carsharing – die Zukunft

Perfekt wird das ganze dann, wenn ein fahrerloses, autonom steuerndes Auto mich auf Anforderung zuhause abholt und mich an mein Ziel bringt, ohne dass ich mich auf die Straße und den Verkehr konzentrieren muss. Nebenbei arbeiten oder entspannen wie beim Bahn fahren und das dann auch noch mit leisem und potenziell umweltschonendem Elektroantrieb – das ist die Zukunft!

Das wird nicht mehr lange dauern. Ich lege mich fest: In spätestens zehn Jahren ist es soweit. Und das dann nicht nur in größeren Städten, denn je ausgereifter die Mobilitätsangebote werden, desto profitabler werden sie auch. Deshalb wird es sich für die Unternehmen lohnen, auch in kleineren Städten anzutreten.

Fazit

Schon heute ist Mobilität eine Dienstleistung, für die es passgenaue Angebote für meine und vielleicht auch deine Bedürfnisse gibt. Carsharing kann dabei ein leistungsfähiger und preisgünstiger Baustein sein, teste es einfach mal selbst. Welche Carsharing-Anbieter es in deiner Nähe gibt, kannst du Dir auf einer Karte ihres Bundesverbands ansehen.

Bequemlings-Wertung Carsharing
7.7 von 10
Relativer Zeitgewinn5
Bequemlichkeit und Genuss8.5
Preis-Leistungs-Verhältnis9.5

Wie sieht dein persönliches Mobilitätskonzept aus? Und was würdest du dir von den Anbietern noch wünschen? Schreibe jetzt einen Kommentar!

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