Betrug bei Amazon: Mit Fake-Shops wollen dich Kriminelle auf dem Amazon-Marketplace reinlegen und dein Geld abkassieren. So erkennst du die Fake-Shops auf Amazon.de.

Die Tricks der Amazon-Betrüger

Hast du dich in letzter Zeit auch über viele sensationell günstige Angebote bei Amazon gewundert? Angebote von sogenannten Marketplace-Verkäufern, also nicht von Amazon selbst, sondern einem der vielen tausend Händler, die ebenfalls über die Amazon-Plattform verkaufen.

Da werden hochpreisige Waren teils für weniger als die Hälfte des üblichen Preises angeboten. Eigentlich eine tolle Sache für Schnäppchenjäger. Doch dahinter steckt oft Betrug!

Aufgefallen ist mir das gerade wieder bei einem Varidesk, einem Aufsatz zum Nachrüsten einer Höhenverstellung für den Schreibtisch. In einer der teuersten Varianten kostet das Produkt (der Varidesk Exec 48) normalerweise 650 EUR. Verkauft wird das Produkt direkt vom Hersteller über die Amazon-Plattform.

Amazon-Betrugs-Masche Nr. 1: E-Mail-Kontakt

Normalerweise bietet kein anderer Händler dieses Produkt bei Amazon an, doch nun sollte es auf einmal nur noch 423 EUR kosten. Ein für diesen Artikel wirklich sensationeller Preis!

Doch wenn du dir den Screenshot des Angebots bei Amazon genau ansiehst, wird dir etwas ungewöhnliches auffallen:

Amazon-Betrug: Angebot mit Verkäufername "☻BEVOR "In den 'E'inkaufswagen" ☻ 'B'ITTE 'K'ONTAKTIEREN SIE MICH ☻ info[at]kaufhaus67.com☻"

Fake-Shop-Angebot auf Amazon.de

Statt eines normalen Verkäufernamens steht an der entsprechenden Stelle auf einmal ein auffällig formatierter Text, wonach man den Händler vor dem Kauf außerhalb von Amazon per E-Mail kontaktieren soll:

„☻BEVOR „In den ‚E’inkaufswagen“ ☻ ‚B’ITTE ‚K’ONTAKTIEREN SIE MICH ☻ info[at]kaufhaus67.com☻“

Wenn du das als Kaufinteressent jetzt machst, bist du schon so gut wie in die Falle des Fake-Shops gelaufen.

Denn was dann folgt ist die Bitte, das Geld direkt an den Händler zu zahlen, per PayPal, Überweisung auf ein ausländisches Konto oder einer anderen Zahlungsmöglichkeit.

Offenbar machen das auch immer wieder Kunden und gehen damit diesem Betrug auf Amazon.de auf den Leim. Das Geld ist dann weg. Die Ware bekommen die Käufer aber nie.

Amazon-Betrugs-Masche Nr. 2: Der Tarnmantel

Offenbar gelingt es den Fake-Shop-Betrügern reihenweise, die Accounts seriöser Händler zu kapern. Auf welchem Weg sie das erreichen, ist unklar. Möglicherweise werden die Shop-Eigentümer mit sehr gut gestalteten Phishing-Mails dazu gebracht, dass sie ihre Amazon-Zugangsdaten preisgeben (aber das möchte natürlich keiner zugeben).

Anschließend laden die Betrüger zehntausende Produktangebote in den gehackten Händler-Account, natürlich mit verführerisch reduzierten Preisen.

Damit schlüpfen die Fake-Shops unter den Deckmantel eines seriösen Anbieters mit entsprechend positiven Händler-Bewertungen, vermeintlich echten Angaben im Impressum und entsprechender Sorglosigkeit der Kunden.

Zum Teil wird dann der Name des Verkäufer-Accounts wie oben beschrieben geändert, um direkt schon auf der Angebotsseite eine Kontaktaufnahme per E-Mail außerhalb von Amazon zu erreichen:

Fake-Shop mit positiven Bewertungen (gehackter Account)

Fake-Shop mit positiven Bewertungen (gehackter Account)

Zum Teil passiert der Betrug auch erst, nachdem du auf „Kaufen“ geklickt hast. Da der Fake-Shop-Anbieter Kontrolle über den gehackten Account hat, schickt er dir nun eine E-Mail mit der Bitte, das Geld direkt an ihn zu bezahlen (gerne auch getarnt als offizielle Amazon-Mail).

Oder der Kauf scheitert mit einer Fehlermeldung. Und schwupps fragt so mancher Interessent doch noch über die prominent platzierte E-Mail-Adresse des Betrügers nach dem Angebot, worauf dieser wieder persönliche Daten abfragt und Zahlunganweisungen zuschickt.

Jedesmal gilt: Bei Bezahlung ist das Geld weg – Ware gibt es allerdings keine.

Auch im oben geschilderten Fall ist der Händler-Account offenbar von Betrügern übernommen worden. Als ich mir die Detailinformationen angesehen habe, zeigte sich an den Kundenbewertungen, dass der Händler sonst nur Ledertaschen und Geldbörsen vertreibt. Von Büroartikeln keine Spur.

Amazon-Betrugs-Masche Nr. 3 – Käufer als doppeltes Opfer

Funktioniert ähnlich wie Nr. 2, nur dass dir im Rahmen des Kaufs auch noch vorgegaukelt wird, du müsstest deine Amazon-Zugangsdaten noch einmal eingeben. Bist du hier nachlässig, haben die Betrüger Gewalt über dein Amazon-Konto.

Eine Art des dann möglichen Missbrauchs: Dein persönliches Amazon-Konto wird einfach zu einem weiteren Fake-Shop „aufgerüstet“, ohne dass du das gleich merkst. Wenn sich dann auf einmal hunderte betrogene Käufer bei dir melden und ihre Ware oder ihr Geld zurück haben wollen – das dürfte sehr unangenehm werden.

Wie erkennst du betrügerische Fake-Shops auf Amazon?

  • Klarer Warnhinweis ist der geforderte E-Mail-Kontakt außerhalb von Amazon.
  • Ebenso klares Indiz: Die Zahlung soll außerhalb des Amazon Payment-Systems abgewickelt werden.
  • Extrem günstige Sonderangebote können natürlich auch echt sein, sollten dich aber hellhörig machen!
  • Schau dir in so einem Fall das Impressum und die bisherigen Bewertungen des Händlers an. Werde stutzig, wenn es sich offensichtlich um ein plötzlich komplett geändertes Produkt-Sortiment handelt. Frage im Zweifel telefonisch bei dem Händler nach.

Ausmaß des Fake-Shop-Betrugs bei Amazon

Die Amazon-Verkaufsplattform scheint in letzter Zeit mit solchen Angeboten geradezu überflutet zu werden. Einerseits melden sich immer mehr Betroffene, so dass inzwischen auch die Polizei vor diesen Betrügern bei der Amazon-Plattform warnt.

Andererseits gibt es immer mehr Händler, die mit diesen Fake-Shops zu kämpfen haben. Und das auch, wenn ihr eigener Account nur indirekt betroffen ist.

Denn die Fake-Shops nehmen den echten Händlern einen Teil des Geschäfts weg. Die Kunden hoffen ja, ein sensationelles Schnäppchen zu machen und kaufen deshalb erstmal nicht beim „normalen“ Verkäufer.

Wenn die Kunden dann von den Amazon Marketplace-Betrügern um ihr Geld geprellt worden sind, haben einige wahrscheinlich auch erst mal wenig Lust oder auch einfach kein Geld mehr dafür, das Produkt nochmal bei einem Amazon-Händler zu kaufen.

Worüber sich Händler, aber auch Kunden im Internet häufig beschweren, ist eine unzureichende Reaktion seitens Amazon. Ein Beispiel bei Facebook:

Beschwerde über darüber, dass es nihct auf jeder Artikelseite einen Button gibt, mit dem gefakte Seiten bei Amazon gemeldet werden können

(Besucher-Eintrag auf der Facebook-Seite von Amazon)

 

Von schwierigen Kontakt-Möglichkeiten ist die Rede, außerdem soll Amazon angeblich vergleichweise langsam darauf reagieren, wenn Accounts gehackt und von Fake-Shops übernommen wurden. Die Folge: Pro Stunde gehen hunderte Bestellungen bei den Händlern ein, für Artikel, die sie gar nicht im Programm haben.

Und wenn es den Fake-Shop-Betreibern dann noch gelingt, die Geldzahlungen zu sich umzuleiten (also außerhalb von Amazon abwickeln zu lassen), dann ist die Wut der getäuschten Kunden oft so groß, dass sie das Ganze dem eigentlich seriösen Händler anlasten. Dabei ist er selbst zum Opfer geworden.

Offensichtlich handelt es um ein zunehmendes Problem. Dass die Fake-Shops immer wieder kommen, auch wenn sie entdeckt, gemeldet und gesperrt werden, zeigt sich auch an meinem Beispiel mit dem Varidesk. Hier der Preisverlauf der letzten drei Monate auf Amazon.de:

 

Grafik zeigt kontinuierlichen Preis von 650 EUR bis Anfang Oktober, dann immer wieder Einbrüche auf ca. 420 EUR

Preisentwcklung bei Amazon.de für Varidesk Exec 48

Offensichtlich versuchen es die Fake-Shop-Betreiber immer wieder, mit ihrer Masche Amazon-Kunden zu betrügen.

Mit dem anstehenden Weihnachtsgeschäft, das auch Kriminelle erfreut, dürfte es immer mehr betroffene Händler und geprellte Kunden geben. Verbraucherschützer fordern deshalb nun von Amazon, dass der Internet-Riese seine Kunden deutlicher vor solchen Fake-Shops warnt – wenn er deren Aktivitäten offenbar schon nicht verhindern kann:

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Branchenprimus um den Ruf seines Marktplatzes fürchtet, wenn er über die massiven Dauerattacken transparent aufklären würde.“ (Verbraucherzentrale NRW)

Fazit

Eigentlich ist es ganz einfach, sich als Käufer vor Betrug durch Fake-Shops bei Amazon zu schützen:

Bezahle beim Einkauf bei einem Amazon Marketplace-Händler niemals außerhalb des Amazon-Payment-Systems. Und denke auch noch in dem Moment an diesen Grundsatz, in dem dir ein sensationelles Schnäppchen dein vernünftiges Denken zu vernebeln droht!

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